5. Architekturtheoretisches Kolloquium

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  • 23. Oktober 2015

Einladung zu einem Vortrag beim 5. Architekturtheoretischen Kolloquium der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, vom 21. bis 24. April 2016 in Einsiedeln, Schweiz. Das jährlich stattfindende Kolloquium steht dieses Mal unter dem Motto:

Architekt – Hausvater – Investor: Die Ökonomie des Planens, Bauens und Nutzens

Unser Exposé zu diesem Thema mit dem Titel „Über ein digitales Planen, Bauen und Nutzen – BIM, ein Ausblick“ wurde als Beitrag angenommen!

Wie ist das Verhältnis zwischen Architekt und Bauherr heute? Wie wird es gelebt? Ist es das kongeniale Verhältnis eines unabhängigen Sachwalters zu seinem Auftrag­geber, dieses Verhältnis von „Geld“ und „Kunst“, das in der Geschichte schon manch ein Meisterwerk erschaffen hat. Oder haben wir es heute mit einem eher zwiespältigen Verhältnis zu tun? Macht es Sinn, dass sich das Verhältnis verbessert? Ja! Die Freiberuflichkeit des Architekten gründet sich auf ein Vertrauens­verhältnis, dass dieser nämlich den baulichen Bedarf seines Auftraggebers als unabhängiger Sachwalter gegenüber den Interessen des Marktes „von Habsucht frei“ (Vitruv) betreut und überwacht, die finanziellen Mittel wirtschaftlich sinnvoll einsetzt und ein Werk ohne Mängel übergibt.

Aber die Realität sieht leider häufig anders aus! Obwohl sie gemeinsam ein Ziel verfolgen, miss­trauen die Partner einander, glauben Zahlen nicht und vermuten versteckte Fal­len. Was ist da schief gegangen? Kann diese „Ehe auf Zeit“ gerettet werden? Was hat hier vielleicht gefehlt?

Kooperation, Transparenz und sich da­raus ergebend, – Vertrauen.

Wir stehen in Europa an der Schwelle einer methodischen Entwicklung, die uns hier weiter­helfen könnte. Der Bedarf nach einem nachhaltigen Wirtschaften, einem sinnvollen Um­gang mit beschränkten Ressourcen und dem Beherrschen von Komplexität zwingt uns, nach grundsätzlich neuen Methoden zu suchen. Wie können wir die Prozesse des Planens, Bauens und Nutzens so optimieren, dass wir einander besser verstehen und wir in der Folge bes­sere Ergebnisse erzielen?

Zu Beginn einer neuen digitalen Revolution haben wir erkannt, dass wir das Bauen weiterhin als analogen Prozess leben. Die Wertschöpfungskette Bau ist eine der am wenigsten digitalisierten Industrien. Was kann hier aber überhaupt „digitalisiert“ werden? Wol­len wir immer gleiche Gebäude? Natürlich nicht! Wir können aber die immer gleichen Pro­zesse digitalisie­ren! Hier setzt die Arbeitsmethodik des „Building Information Modeling“ ein.

Building Information Modeling (BIM) bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transpa­renten Kommuni­kation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Be­arbeitung übergeben werden. (Definition der Bundesarchitektenkammer in Berlin)

Die transparente Kommunikation erlaubt es dem Bauherrn, seine Erfordernisse (utilitas, firmitas, venustas) nicht nur für die Errichtung seines Bauwerks zu formulie­ren, sondern auch seine Bedingungen für die Nutzungszeit. In den Modellen können die Beteiligten alle konstruktiven Zustände des Bauwerks verständlich darstellen und prüfen, Fehler dann noch ausmerzen, wenn sie wenig Aufwand bedeuten und gestal­terische Themen auf ihre formalen und ihre wirtschaftlichen Aspekte hin diskutieren. Die Durchgängigkeit der erhobenen Daten, das Einbeziehen aller Beteiligten, sowohl für die Planung, wie auch für den Betrieb, und die transparente Kommunikation erlauben es dem Bauherrn damit besser denn je, die Plausibilität der ihm vorgelegten Unterla­gen und Zahlen zu prüfen und damit nachvollziehen zu können. Verstehen bedeutet Vertrauen.

Bedingung dafür ist die Bereitschaft der Beteiligten zu mehr Miteinander und Offenheit. Sind wir dazu fähig? Wenn ja, dann allerdings schaffen wir einen Para­digmen­wechsel, weg vom misstrauenden Gegeneinander, hin zu Kooperation. Bau­herr und Architekt waren und sind immer die herausragenden Protagonisten der Wert­schöpfungskette Bau, die immer im Zentrum ihres Handelns eines hatte: die Ökonomie des Planens, Bauens und Nutzens.

Weitere Informationen: Stiftung Bibliothek Werner Oechslin

 

 

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